Sowjetskaja Str., Tambov

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Sommer in russischer Provinz

Tambov ist eine Stadt ins Schwarzerdegebiet Russlands, das nicht so weit von Moskau entfernt ist. Man braucht nur eine Nacht mit dem Zug oder fünf-sechs Stunden mit dem Auto Richtung Süd-Ost von der Hauptstadt zu fahren – und man gelangt in Tambov, eine russische Stadt mit ihren 400 000 Einwohnern und knapp 400-jährigen Geschichte.

Der Sommer in Zentralrussland ist fast immer heiß. Im Juli steigt die Temperatur bis 36 Grad, und die Einwohner und die Gäste fühlen sich fast wie am Schwarzen Meer.

Wer verbringt den Sommer in Tambov, kann von der Sonne braungebrannt werden. Die Stadt liegt am Fluss Zna, wo man gut schwimmen kann.

Nachmittags spazieren die Leute die örtlichen Flüsse entlang. Am Ufer liegt der Zentralteil der Stadt sowie städtischer Park der Kultur und Erholung.

Gleich daneben ist dem Großen Vaterländischen Krieg gewidmete Ewiges Feuer zu finden. Jährlich am 9. Mai finden neben den Demonstrationen hier offizielle Gedächtnisveranstaltungen statt. Die Jungverheirateten lassen hier die Blumen liegen, diese Tradition ist noch von der Sowjetzeit geblieben.

Die Denkmäler aus der Sowjetzeit stehen Seite an Seite mit vielen Kirchen. In den letzten Jahren sind viele Kirchen in Tambov neu gebaut.

Zentrale Straßen der Stadt sind mit den Blumen dekoriert und führen zum Leninplatz, wo sich Dramatisches Theater und Verwaltungsgebäude befinden. Vom Leninplatz mit dem Lenindenkmal nimmt die Straße Internationalnaja ihren Anfang, die sich bis zum Hauptbahnhof erstreckt.

Noch ein Denkmal, das dem Großen Vaterländischen Krieg gewidmet ist, befindet sich in der Hauptstraße Sowjetskaja. Das ist ein Panzer am Postament mitten Fahnen und Blumen.

Tambov ist auch mit seinem Kulturleben bekannt. In Tambov selbst und Tambovskaja Gebiet haben russische Dichter Derzhavin, Baratynskij und Sergeev-Zenskij sowie Komponist Rachmaninow gelebt und gearbeitet. In der Zeit von Ekaterina der Zweiten war in Tambov ein russischer Dichter und Politiker Gavrila Derzhavin als Gouverneur tätig und hatte für die Einwohner viel Nützliches getan.

Das offizielle Gesicht von Tambov sieht gut aus. Trotzdem bleibt für die einfachen Bürger ihre Stadt eine von den anderen russischen Städten, wo man sein ganzes Leben arbeitet und ein ganz einfaches Leben führt. Die meisten Menschen wohnen in Mietshäusern, die drei-vier von denen einen Hof bilden, wo die Kinder gleich neben den Privatautos spielen.

Laut russischen Traditionen besitzen viele Familien Datschas, die nicht weit von der Stadt entfernt sind. Am häufigsten benutzt man sie während der Sommerzeit, dabei nicht nur für die Erholung, sondern mehr als den Gemüsegarten, wo Kartoffel, Tomaten, Gurken, Äpfel, Himbeeren usw. wachsen. Dann braucht man diese Produkte nicht zu kaufen, sondern man hat sie gleich frisch und gesund auf dem Tisch.

Viele Leute verbringen ihr Wochenende auf der Datscha, bereits im Frühling, wenn die Vorbereitungsphase für die sommerlichen Gartenaktivitäten beginnt. Auf der Datscha sind häufig kleine Häuser gebaut, die nicht nur für den Nachmittagsschlaf vorgesehen sind, sondern sie dienen mehr als das Haus für die Haustiere. Im Herbst werden einige Katzen und Hunde von den Besitzern nach Hause mitgenommen, andere bleiben auf der Datscha wohnen.

Die Gemüsesorten von der Datscha gelten nicht nur für Salate, sondern auch für Suppen und andere Gerichte.

Nichts Anders ist so beliebt in den Familien, wie ein hausgemachter Borschtsch mit eigener Rübe, der mit saurer Sahne gegessen wird.

Olga Schtyrkina, Alle Fotos © Olga Schtyrkina


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