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Куда? Nach Westen?
Aufmerksame Leser unserer Programme haben es sicher bemerkt. Immer hufiger kommen die von uns gezeigten Filme weder aus Russland noch aus anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Natrlich wussten wir schon vor der Erffnung unseres Kinos um die schwierige Verleihsituation fr russische Filme in Deutschland, kannten die hufig unbezahlbar hohen Lizenzforderungen und Transportkosten aus dem Osten und hatten von den unkonventionellen Geschftspraktiken und der mangelnden Verlsslichkeit vieler postsowjetischer Filmfunktionre gehrt. Trotzdem gelang es uns immer wieder Filme zu zeigen, die sonst nie den Weg auf eine hiesige Leinwand gefunden htten. Viele der aus Russland eingeladenen Gste waren von der Atmosphre unseres Kinos begeistert, auch, weil sie kaum mit einem solchen Interesse fr ihre Arbeit gerechnet hatten. Anders als am Anfang gedacht, gerieten im Lauf der Zeit immer hufiger hiesige Dokumentarfilme ber die Region stliches Osteuropa in unser Programm. Einige von ihnen liefen im September in unsere Reihe "Lange nach der Schlacht" und gehren zu den schnsten Entdeckungen unserer Arbeit.
Zur Finanzierung unseres Kinobetriebs haben wir von Anfang an mit Subventionen in Form von Kinoprogrammpreisen gerechnet. Nach der Bewerbung bei Medienboard Berlin Brandenburg bzw. dem Beauftragten der Bundesregierung fr Kultur und Medien BKM werden diese zwei Mal jhrlich vergeben. In den Antrgen fr die Auszeichnungen werden unter anderem die Zahl der zu Veranstaltungen geladenen Gste, Filmreihen und Stummfilmvorfhrungen abgefragt. In all diesen Kategorien brauchen wir den Vergleich mit anderen kommerziellen Mitbewerbern nicht zu scheuen. (Institutionell gefrderte Kinos die anspruchsvollere Programme finanzieren knnen, bewerben sich um einen anderen Preis.) In diesem Jahr wurden mehr als 50 Prozent der Antragsteller (24 Kinos) in Berlin mit einem Programmpreis ausgezeichnet. Manche prmierte Filmtheater verzichten ganz auf Filmreihen, Stummfilme und geladene Gste. Sie setzen als "Nachauffhrer auch im Schatten eines Multiplex" dafr" gern und intensiv auf Bewhrtes und Bekanntes" und spielen all das "was man bei schnellen Programmwechsel dort verpasst hat" (aus der Jurybegrndung). Als Kino mit vollkommen anderem Programmverstndnis gehrten wir weder im vergangenen noch in diesem Jahr zu den Ausgezeichneten. Vor wenigen Tagen erhielten wir im Rahmen der Programmpreisverleihung des BKM den mit 2500,- Euro dotierten Sonderpreis fr den Bereich Dokumentarfilm. Andere Kinos knnen jedoch mit Subventionen von zusammen weit ber 10.000 Euro aus beiden Preisen rechnen (einige Berliner Kinos mit Preisgeldern von zusammen ber 20.000 Euro). Aus Gesprchen mit Kollegen von anderen, hher ausgezeichneten Filmtheatern, wissen wir, dass die Preisgelder hufig lediglich zur Zahlung aufgelaufener Verleihschulden verwendet werden.
Fr uns wiegt die ausbleibende oder geringe Frderung durch Kinoprogrammpreise jedoch doppelt schwer. Viele der bei uns gespielten Filme lassen schon per se geringere Zuschauerzahlen erwarten, auch wenn wir im direkten Vergleich ein und desselben Filmtitels mit anderen Kinos hufig sehr gut abschneiden. Fr manchen Film waren wir so auch das erfolgreichste Kino in Deutschland. Doch wer berwiegend Filme aus und ber das stliche Osteuropa spielt, muss sich keine Gedanken ber verpasste Blockbuster machen. Viele Filme von dort finden in Deutschland nicht mal einen Verleih. Alle Aufwendungen fr Pressearbeit, Reklame etc. fallen, wie ganz aktuell beim Film "Am Pier von Apolonovka", auf uns zurck und knnen so kaum wirtschaftlich erfolgen. Die Kosten fr Stummfilmveranstaltungen oder Einzelvorfhrungen eines historischen Films bersteigen im Regelfall immer die auch bei guter Auslastung einspielbaren Summen. Einige der mit dem Programmpreis ausgezeichneten Kinos verzichten deshalb bewusst auf solche teuren Programme.
Um die Auswahl von wirtschaftlich erfolgreicher spielbaren Filmen zu vergrern, werden wir in Zukunft verstrkt Streifen aus dem westlichen Osteuropa zeigen. Dazu gehren fr uns auch Wettbewerbsbeitrge und Preistrger der groen osteuropischen Filmfestivals, wie der aktuelle Sieger der Festspiele von Karlovy Vary "Whisky mit Wodka" (Andreas Dresen - beste Regie, ab 15. Oktober). Damit ndert sich ab sofort auch der Zusatz zum Namen unseres Kinos. Statt Krokodil - Kino fr russischen Film heit es nun: Krokodil - Filme aus Russland und Osteuropa. Obwohl wir uns auf die Erweiterung unseres besonderen Programmprofils freuen, mchten wir auch in Zukunft nicht nur abgespielte Filme aus greren Husern zeigen. Doch eine ausgewogene Balance zwischen rein kommerziell orientiertem Abspiel und anspruchsvollen Programm wird auch in Zukunft nur mit Subventionen durch Kinoprogrammpreise mglich sein.
Vielleicht erfllen wir mit dem verstrkten Abspiel von Filmen aus dem westlichen Osteuropa in Zukunft strker die unausgesprochenen Erwartungen der programmpreisstiftenden Institutionen. Als Kino, das vergleichsweise hufig Vorkriegs-, DEFA und Produktionen aus dem stlichen Osteuropa spielt, haben wir bisher vergleichsweise wenig zur Verbreitung von mit Medienboard-, Bundes- oder EU Mitteln gefrderten Filmen beigetragen. Mit der Westerweiterung unseres Programms kommen wir der EU Osterweiterung nun offensiv entgegen und erleben so hoffentlich bald auch etwas wie ein "Wunder an der Weichsel". Mit Wundern haben wir nach ber fnf wirtschaftlich schwierigen Kinojahren bereits groe Erfahrungen. Nachdem wir im letzten Jahr keinen der beiden beantragten Preise erhalten hatten, wurden wir ganz ohne Antrag gemeinsam mit je einem Kino aus Basel und Saarbrcken unerwartet mit dem Kinoprogrammpreis der DEFA Stiftung ausgezeichnet.
Пусть всегда будет Крокодил!
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